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Schwerarbeit in der Seilbahnverladung (Förderv. Grube Fortuna)
Der Erzabbau im Bereich der späteren Grube Fortuna reicht zurück bis in die Antike; etwa 500 m südwestlich des heutigen Stollenmundlochs wurden in mehreren Metern Tiefe römische Bronzefibeln ausgegraben. Der moderne Bergbau begann 1849 mit der Verleihung des Grubenfeldes an Fürst Ferdinand zu Solms-Braunfels. Dieser war auch Eigentümer der Aßlarer Hütte und der 1875 eröffneten Georgshütte in Burgsolms, die beide Erz aus dem Fortuna-Grubenfeld bezogen. 1880 ging eine Erzseilbahn von Grube Fortuna zur Georgshütte in Betrieb.

Zum 1. 11. 1906 verkaufte der Fürst zu Solms-Braunfels seinen gesamten Grubenbesitz für 6 Mio. Mark an Fried. Krupp, Essen. Fortuna galt mit 1 Mio. t Erzvorrat (nach damaliger Schätzung) als wichtigste der neun Gruben des „Pakets“.

In den Folgejahren unterzog Krupp die Grube einer grundlegenden Modernisierung. So wurde ein neuer Maschinenschacht (No. 2) abgeteuft, es entstanden der neue Förderstollen und eine Pumpenkammer auf der 40-m-Sohle, die Dampf- und Druckluftzufuhr und Ableitung der Grubenwässer wurde neu eingerichtet. Der obere Zechenplatz mit Maschinenhaus, Werkstatt, Förderturm, Zechenhaus und Kesselhaus samt hohem Schornstein wurde angelegt. Höhepunkt der historisierenden Architektur war der „Malakow-Turm“, der als Wasserturm für die Dampfmaschine diente. 1908 ging die neu errichtete Seilbahn zur Verladestation Albshausen in Betrieb; der Erzversand zur (inzwischen zu Buderus gehörenden) Georgshütte wurde hingegen 1919 aufgegeben und die Seilbahn abgebaut.

Nachdem durch Tiefbohrungen in den 1940er Jahren das Nordlager nachgewiesen worden war, wurde 1949/50 am unteren Zechenplatz eine neue Erzaufbereitung mit Steinbrecher, Leseband und Sortieranlage errichtet; 1951–54 folgten eine Trafostation und das neue Zechenhaus, 1955/56 ein neuer Roherzbunker.

Infolge der zunehmenden Konkurrenz durch Erzimporte wurde der Betrieb auf der Grube immer weiter modernisiert und mechanisiert, um die Personalkosten senken zu können. So wurde allein von 1959 bis 1961 die Leistung pro Mann und Schicht von 2,26 t auf 3,89 t erhöht (und in der gleichen Zeit die Belegschaft von 123 auf 85 Mann reduziert). Dennoch wurde, nachdem Krupp, Hoesch und Klöckner 1962 kein Erz mehr abnahmen, der Betrieb zum Jahresende 1962 eingestellt. Aber schon 1963 wurde mit der Förderung von Temperroherz begonnen, und bis 1970 die Förderung auf über 100.000 t/Jahr gesteigert.


Besucherbergwerk Grube Fortuna


Nach vielem Auf und Ab und trotz konsequenter Modernisierung der Fördertechnik kam mit der weltweiten Krise der Eisen- und Stahlindustrie seit Mitte der 1970er Jahre auch das Aus für die Grube Fortuna. 1983 wurde die letzte Schicht gefahren; nach mehr als 130 Jahren und 4,6 Millionen Tonnen Gesamtförderung wurde die Grube als letzte Eisenerzgrube des Lahn-Dill-Gebietes geschlossen.

Im Jahr 1985 übernahm der Lahn-Dill-Kreis die Anlage, und 1987 öffnete das Besucherbergwerk Grube Fortuna seine Türen. Die Besucher können das Bergwerk im Zustand der letzten Betriebsjahre besichtigen und auf der 150-m-Sohle Geschichte und Technik des Erzabbaus kennenlernen.




© Christoph König;   letzte Änderung: 6. 12. 2017